Suny Kamay mit Pa Cham Dao

Vom Erbe Ip Mans zur Schweiz. Suny Kamay, der Wegbereiter, der Wing Chun Kung Fu in die Schweiz brachte | SKEMA Kung Fu History

Suny Kamay wurde 1985 auf Lebenszeit in die Ip Man Martial Arts Association aufgenommen. Diese ermächtigte ihn, Wing Chun Kung Fu weltweit zu verbreiten und zu repräsentieren.


Er war der erste «Weisse», der 1988 die Pa Cham Dao (Schmetterlings- oder auch Wolfsmesser genannt) und damit das gesamte Wing Chun System vollständig erlernte. Er tat dies zugleich aus zwei Quellen: zum einen beim leiblichen Sohn von Grossmeister Ip Man, Ip Chun, in Hongkong und zum anderen bei Felix Leong in Adelaide, Australien.

Suny Kamay wurde von Lo Man Kam in die Schmetterlingsmesser eingeführt. Bruce Cheng brachte ihm die ersten drei Sections bei, während Ip Chun, der Sohn von Ip Man, ihm danach die vollständige Form mit allen acht Sections vermittelte.
Zusätzlich unterrichtete ihn Felix Leong in einer weiteren vollständigen Pa Cham Dao Form mit zehn Sections. Suny Kamay beherrschte somit sowohl die komplette 8-Sections-Version von Ip Chun als auch die vollständige 10-Sections-Version von Felix Leong.

Felix Leong geniesst in der Wing Chun Szene Anerkennung, da er internationale Vollkontakt-Wettkämpfe sowie Wettkämpfe in China gewann und zudem als Türsteher praktische Erfahrungen in realen Auseinandersetzungen sammelte.

Eine ähnliche Verbindung zwischen Kampfkunst und Realität prägte auch Suny Kamay. Bereits 1978 arbeitete er als Bouncer für mehrere Clubs an der Langstrasse in Zürich. Seine Erfahrungen aus diesen Situationen liess er in Form von Gassentechniken in sein Unterrichtssystem einfliessen.

Dabei standen insbesondere Situationen im Mittelpunkt, die im klassischen Training oder im Ring oft nicht berücksichtigt werden, wie der Kampf gegen mehrere Gegner, Angriffe aus dem Hinterhalt sowie die Verteidigung gegen alltägliche Gegenstände, die als Waffen eingesetzt werden können, beispielsweise Flaschen, Messer oder Barhocker.

Suny Kamay betonte stets, dass Fairness auf der Strasse nicht anzutreffen sei: «Die Strasse hat ihre eigenen Regeln.» Wer einem scheinbar schwächeren oder kleineren Gegner gegenübersteht, sollte niemals unterschätzen, dass dieser möglicherweise eine Waffe bei sich trägt oder nicht alleine ist.

Die Menschen, die Suny Kamay zu einem tieferen Verständnis dessen führten, was er zuvor gelernt hatte, waren vor allem seine späteren Lehrer. In der Kampfkunst war das sein späterer Meister Abay José Milan Go. Er öffnete Suny Kamay eine völlig neue Sichtweise auf die Kampfkunst und ihre tiefere Bedeutung.
Von Guru Lin – Nene Ranudo (Vicente Ranudo Jr.) lernte er, was menschliches Leben sein könnte und sein sollte. Er war der leibliche Sohn von Meister Hilarion (Vicente Ranudo Sr.).