Im Training ist vieles vertraut: Du kennst deinen Trainingspartner, den Trainingsort und die Situation. In einer echten Selbstverteidigungssituation ist das anders. Schreck, Stress und eine unerwartete Situation können dazu führen, dass Bewegungen, die im Training sicher funktionieren, plötzlich schwieriger werden. Genau deshalb ist es wichtig, auch unter ungewohnten Bedingungen zu trainieren.
Bei der SKEMA gibt es bewusst keine Wettkämpfe, denn Selbstverteidigung ist kein Sport. Im Training werden freie Selbstverteidigung und das Verhalten unter Stress geübt. Auch die Erhöhung der Resilienz gehört dazu. Die Selbstverteidigungsprüfung geht noch einen Schritt weiter: Andere Angreifer oder ein ungewohnter Ort können zeigen, ob das Gelernte auch ausserhalb der gewohnten Trainingssituation funktioniert. Dabei werden Unsicherheiten sichtbar, an denen anschliessend im Training weitergearbeitet werden kann.
Wie konsequent dieser Gedanke bei der SKEMA schon früher umgesetzt wurde, zeigt das folgende Video. Die Aufnahmen stammen ungefähr aus dem Jahr 1983 und zeigen die sechste von insgesamt elf Prüfungen. Diese bildet den Abschluss der Siu Lim Tau. Der damals verwendete Parcours wurde von Si Gung Suny Kamay entwickelt und fand für angehende Instruktoren draussen im Wald statt.
Die Prüflinge mussten einen Weg durch den Wald bewältigen. Entlang der Strecke waren Angreifer versteckt, die plötzlich hinter Bäumen oder Büschen hervorkamen und mit Fäusten, Fusstritten oder Waffen angriffen. Der Boden war uneben, die Umgebung ungewohnt und die Angriffe nicht vorhersehbar. Bestanden hatte, wer am Ende sicher und heil ankam. Der Parcours zeigt, wie Selbstverteidigung bei der SKEMA schon damals nicht nur als Techniktraining verstanden wurde.
Menschen zur realen Selbstverteidigung zu befähigen, war seit jeher ein Ziel der SKEMA. Si Gung Suny Kamay etablierte deshalb das Prüfungssystem, um Menschen in der Schweiz strukturiert zu unterrichten und sie Schritt für Schritt weiterzubringen. Eine Prüfung ist dabei nicht einfach ein Test, sondern eine Gelegenheit, die eigenen Fähigkeiten unter Druck zu erleben und Unsicherheiten zu erkennen.
Standhafter, selbstsicherer und gelassener zu werden, ist das Ziel unseres Trainings. Sich einer Prüfung zu stellen, Nervosität zu spüren und trotzdem klar zu bleiben, ist ein wichtiger Teil dieses Weges.